Grenzen setzen in digitalen (Schul-)Welten

Wenn sich Privates und Berufliches verschränken

Homeschooling in Coronazeiten klappt nach einer Orientierungsphase am Anfang für viele LehrerInnen und Kinder zumeist recht gut. Ein zunehmendes Problem stellt für manche PädagogInnen jedoch die Herausforderung der Grenzsetzung dar. Plötzlich verschränken sich Privates und Berufliches viel stärker. Das kann Vor- und Nachteile haben: Man kann z.B. mehr nach dem eigenen Rhythmus arbeiten oder neue Formen der Kreativität auszuprobieren. Digitale Medien wie das Smartphone bieten die Chance, aber auch das Risiko der ständigen Erreichbarkeit. Was gilt es daher zu beachten?

1. Das Ziehen der eigenen Grenzen

Unregelmäßig trudeln alle paar Minuten Nachrichten ein, je nach eigener Gewohnheit im privaten Bereich reagiert man möglichst zeitnah und rasch auf WhatsApp, Instagram, SMS usw.  ies mag eine Zeitlang befriedigend sein, kann aber längerfristig zu Stress und Überlastung führen – denn sowohl  Kinder und Eltern, aber auch KollegInnen und Führungskräfte haben vielleicht einen anderen Tagesrhythmus und gewöhnen sich daran, sofort eine Antwort zu bekommen.

Es ist daher wichtig, überlegt und reflektiert und nicht getrieben zu agieren. Bewusste Entscheidungen und Kommunikation nach außen, wie man es mit Reaktionen und Zeiten handhaben will, sind unterstützend – sie können auch noch nach einer Probier- und Reflexionsphase eingezogen werden. Es ist nie zu spät, etwas zu verändern, dann jedoch gilt es, das neue Prozedere klar nach außen zu kommunizieren!

Folgende Fragen helfen, zu reflektieren:

  • Mache ich Pausen? Sag ich auch Nein, jetzt nicht sofort? Geht es mir gut dabei? Gibt es manchmal ein Problem der Grenzsetzung – wenn ja, mit welchen Personen? Warum?
  • Welche Formen und Wege der Kontaktaufnahme erlebe ich als störend, welche als hilfreich? Halte ich mich selbst an die gesetzten Regeln und geplanten Verhaltensweisen? Wenn nein, wann und warum nicht?
2. Grenzziehung gegenüber Eltern und Kinder

In der Zeit von Homeschooling sind Eltern grundsätzlich stärker in den Unterricht eingebunden. Für eine gute Balance zwischen Erwartungen und Machbarkeiten braucht es Regeln, eventuell individuelle Abstimmungen mit den SchülerInnen und Eltern und eine Spur Gelassenheit.

Folgende Fragen helfen, zu reflektieren:

  • Wissen die Kinder/Eltern wann sie mich gut erreichen können, mir etwas schicken sollen und bis wann ich mich zurückmelden werde?
  • Gibt es versteckte Erwartungen? Weiß ich genug über deren Rahmenbedingungen (z.B. durch eine Umfrage)?
  • Falls es Probleme mit ungewollten Störungen gibt – wann treten diese auf und warum?
  • Passen die gesetzten Zeitfenster für Rückmeldungen? Gibt es auch technischen Lösungen, um das Eintrudeln von Kontaktaufnahmen, Hausübungen und Fragen zu regulieren – z.B. Plattformen statt Messenger-Dienste?
  • Wann ist meine Grenze erreicht, falls sich Kinder oder Eltern nicht zurückmelde/beteiligen und was mache ich dann? Wie kann ich geplante Änderungen gut an die problematischen Fälle kommunizieren?
3. Unterstützung durch das Team

Ein Austausch im KollegInnenkreis (auch mit jenen, mit denen man sich sonst selten austauscht) kann beim Erkennen neuer Möglichkeiten hilfreich sein.

Überlegenswert ist auch, ob neben der persönlich geprägten Klassenkultur auch gemeinsame Schulregeln und Strukturen zur Kommunikation hilfreich sein könnten. Eigene Wahrnehmungen oder Beobachtungen anzusprechen, kann Türöffner für neue Lösungen sein.

Gemeinsam ist auch zu überlegen, welche Art der Kommunikation mit Eltern und Kindern sich grundsätzlich bewährt hat und was für die Zeit nach dem Homeschooling beibehalten werden sollte.

4. Unterstützungsmöglichkeiten durch Führungskräfte

Gute Führungskräfte in der Schule schaffen eine Balance zwischen Eigenverantwortung, Freiheit in Bezug auf Arbeitsweisen und adäquater Begleitung. Es sollte klar sein, was die Schulleitung von den PädagogInnen in Bezug auf Erreichbarkeit und Kommunikation mit Eltern und Kindern, aber auch bezüglich Kontakt innerhalb des Teams erwartet. Wenn eine Führungskraft den Bedarf an – und auch die Erlaubnis zur Gelassenheit ausspricht, kann das manchmal hilfreich sein.

Fragen zur Selbstreflexion für Führungskräfte

  • Wie schnell erwarte ich mir selbst Antworten auf meine Nachrichten? Ist das passend für alle Seiten?
  • Kenne ich die aktuellen Rahmenbedingungen der KollegInnen in Bezug auf die Verschränkung beruflicher und privater Herausforderungen? (Ressourcen, Eigenmanagement, Anforderungen, Typ..)
  • Braucht es besondere Unterstützungen (z.B. in Form gemeinsam festgelegter Schulregeln, die die Leiterin/der Leiter an die Eltern kommuniziert?)
  • Hatten wir im Team Zeit zur Reflexion dieser Thematik? Was hat sich grundsätzlich während des Homeschoolings bewährt und was wollen wir für die Zeit danach beibehalten?

Strukturell kann das Ankaufen passender Lernplattformen und Kommunikationsstrukturen helfen, um nicht auf belastende Kommunikationsmöglichkeiten zurückgreifen zu müssen. Siehe dazu: Online-Tools für PädagogInnen >