Im Gespräch mit Martin Sprenger zur aktuellen Corona-Situation

Wir haben nachgefragt …

Am 13. März haben wir die Gesunden Gemeinden gebeten mitzuhelfen, unsere Omas und Opas zu schützen. Ist das aktuell noch notwendig?

Sich um Omas und Opas zu kümmern, ist immer gut. Am Anfang der Pandemie war die Sorge groß, dass viele Senioren ernsthaft erkranken könnten. Deshalb gab es auch den Appell „Schützen wir gemeinsam unsere Omas und Opas“. Diese Solidarität zwischen den Generationen war gut und notwendig. Hoffentlich hinterlässt diese Zeit der wechselseitigen Unterstützung auch nachhaltig positive Spuren. Inzwischen ist das Infektionsgeschehen aber so stark zurückgegangen, dass es nicht mehr notwendig ist, die ältere Generation zu schützen.

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Was hat sich in der Zwischenzeit verändert?

Das Risiko einer Infektion mit dem neuen Coronavirus ist inzwischen sehr unwahrscheinlich. Vor allem wenn große Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen vermieden werden. Damit ist nicht ein Besuch bei Freunden oder ein Essen im Gasthaus gemeint. Sondern Veranstaltungen wie Zeltfeste oder Tanzabende, bei denen auf engem Raum laut gesprochen oder gesungen wird.

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Es gibt Verantwortliche in Gemeinden und Vereinen, die auf Nummer Sicher gehen und ältere Menschen erst im Herbst wieder ins öffentliche Leben zurückholen möchten. Gibt es Argumente, die diese Sicht unterstützen?

Nein, alle älteren Menschen sollen ab sofort wieder am sozialen Leben teilhaben! Je mehr sich ältere Menschen im Freien bewegen, mit anderen Menschen austauschen, umso besser. Das Risiko einer Infektion bei diesen Tätigkeiten geht gegen Null. Eine weitere soziale Isolation birgt inzwischen deutlich größere Gesundheitsrisiken. Wenig Bewegung, Einsamkeit, Ängste etc. können ebenfalls krankmachen.

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Was können wir aus Public Health-Sicht empfehlen, um Wohlbefinden und Gesundheit unserer Opas und Omas zu fördern?

Jetzt geht es vor allem darum, Ängste zu nehmen und die Risiken korrekt einzuschätzen. Wir haben inzwischen viel über das neue Coronavirus gelernt, wir wissen inzwischen gut über die Übertragungswege und günstige Bedingungen dafür Bescheid. Eine Infektion im Freien ist quasi ausgeschlossen. Jetzt gilt es den Sommer zu genießen, die versäumte Zeit mit der Familie und den Freunden nachzuholen. Dabei sollten das Reden und die gemeinsame Aufarbeitung der letzten Monate nicht fehlen.

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Gibt es noch eine Botschaft, die wir alle beherzigen sollten?

Im kommenden Herbst werden auch die Erkältungsviren und die damit verbundenen Erkrankungen häufiger werden. Für die Mehrzahl der Menschen, auch ältere, sind diese meist harmlos. Trotzdem kann es auch wieder zu einem Anstieg von Fällen mit dem neuen Coronavirus kommen. Inzwischen haben wir aber gelernt, solche Ausbrüche sehr klein und lokal zu halten. Ich bin optimistisch, dass uns das auch im kommenden Winter gelingt. Damit bleibt das Infektionsrisiko für ältere Menschen, zumindest in Bezug auf dieses Virus, hoffentlich gering. Auf was wir in dieser Zeit wohl verzichten müssen, sind Feiern, Veranstaltungen und große Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen. Keinesfalls darf es zu einem neuerlichen Lockdown und zur Isolation von Teilen der Bevölkerung kommen. Wenn wir alles, was wir in den letzten Monaten gelernt haben, auch umsetzen, wird das nicht nötig sein.

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Wir danken für das Gespräch!

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