Praxis-Zone

6 Tipps und Ansatzebenen zur Stärkung der Lehrer*innen-Gesundheit
1. Aktiv Beziehungen gestalten und für emotionale Erholung sorgen

Gelingende Beziehung zu Schüler*innen, Kolleg*innen und Eltern sind im pädagogischen Umfeld in zweifacher Weise essentiell. Einerseits um pädagogisch erfolgreich zu sein und andererseits um gesund zu bleiben. Daher macht es sich auch doppelt bezahlt, in gute Beziehungen zu investieren. Gleichzeitig müssen wir aber auch damit rechnen, dass uns – vor allem belastende – Beziehungen begegnen, emotional beschäftigen und Energie abverlangen. Deshalb brauchen wir einen professionellen Umgang damit, ein Wissen, wie wir uns emotional erholen, vom Erlebten wieder gut distanzieren und auftanken können. Die „Dr.-Strategie“ z.B. meint, immer wieder zurück zu finden ins Distanzieren und Regenerieren. Sich vom Erlebten gut zu distanzieren bedeutet keinesfalls, sich un-empathisch zu machen, sondern lediglich, rechtzeitig abzuschalten, sich abzulenken, um sich gestärkt wieder zuwenden zu können. Was hilft uns beim Distanzieren? Wie können wir unsere Emotionen regulieren?

Dirk Eilert erforschte 5 Zugänge zur Emotionsregulation durch bineuronale Aktivierung des Präfrontalen Cortex. Unser Stirnlappen, der all unsere erlernten Bewältigungsstrategien beinhaltet, hat nämlich eine Art „Überhitzungsschutz“ und wird durch zu starke Emotionen „lahm gelegt“. Wir können ihn wieder aktivieren, indem wir uns …

  • Mental fordern: rückwärts von 100 runterzählen (in 2er-Schritten), 3-2-1, Alphabet rückwärts denken, Sudoku lösen, etc.
  • Taktil aktivieren: Klopftechniken, gleichmäßiges Klopfen Gesicht, Oberkörper, „Embrass“, etc.
  • Physiologisch üben: Atmung vertiefen und verlangsamen (4 Sekunden einatmen und 6 Sekunden ausatmen), etc.
  • Okulomotorisch aktivieren: Den Fokus zwischen Nah-Sicht und Fern-Sicht wechseln, z.B. seinen Daumen ca. 20 cm vor das Blickfeld hochstrecken und abwechselnd den Daumen und die Gegend dahinter fokussieren
  • Vestibulär fordern: auf einem Bein stehen, auf einem Balance-Board, etc.

Haben wir unser biologisches Nervensystem wieder beruhigt und aufgetankt, können wir wieder an unseren Bewältigungs- und Lösungsstrategien weiterbauen, uns mit Kolleg*innen oder mit Fachexpert*innen austauschen und uns mutig neuen Strategien zuwenden, um zu versuchen, die pädagogischen Beziehungen zum Gelingen zu führen.

Selbstregulation und Emotionsberuhigung kann man jedoch nicht direkt im Stress lernen. Dafür braucht es ein „Trockentraining“. Hier eine kleine Anregung dazu:

Selbstcoaching:

  1. Was ist das, was mich stresst? (an eine bestimmte Situation denken)
  2. Bodyscan: Wo spüre ich Stress, Angst, Unruhe, usw. ?
  3. Gleichzeitig Aktivierung machen (z.B. Klopfen oder Atemtechnik, etc.) und 5-10 Minuten beobachten, wie sich der Körper beruhigt
  4. Dann auch in Belastungs-Situation direkt einsetzen
2. Mental bewusst steuern und „genug ist genug"

Häufig erzählen Lehrer*innen, dass zu viele Anforderungen auf sie einwirken, die sie in zu wenig Zeit erfüllen sollten. Zusätzlich können überhöhte innere Ansprüche die Belastungen verdichten: „dem allen gerecht werden zu wollen“ oder „immer eine Lösung finden zu müssen“ . Sätze wie „man wird nie fertig“ und „ich schaff das nicht“ verdeutlichen den Stresslevel. Und ja, wir leben in einer beschleunigten, veränderten Zeit, wo wir vielfältigen neuen Herausforderungen gegenüberstehen und mehr Arbeit in kürzerer Zeit erledigen sollten. Vor allem in der Schule kommen Aufgaben hinzu, während man das Gefühl hat, nichts wegstreichen zu können. Daher braucht es umso mehr die bewusste Steuerung unserer mentalen Einstellung und Ausrichtung zum Umgang damit:

  • Wenn wir uns bewusst sind, dass Vieles einfach in der vorhandenen Zeit nicht geht, anstatt selbstanklagend zu denken, „nur ich schaffe das nicht.“, macht das einen deutlichen Unterschied in der mentalen Einstellung zum Arbeitspensum.
  • Die Forschungen der positiven Psychologie belegen, dass es sich in vielerlei Hinsicht auszahlt, sich in einer positiven Ausrichtung zu üben, und die damit verbundenen positiven Emotionen zu stärken. Wir können uns abends fragen: Was habe ich geschafft? Was ist gelungen? Anstatt einseitig den Fokus auf das zu legen, was wir nicht geschafft haben. Diese mentale Übung lässt sich wunderbar in einem Erfolgs-Tagebuch umsetzen, indem wir ein paar Wochen lang, täglich unseren Blick auf das Positive trainieren, und die Wahrnehmungen niederschreiben. Manche Lehrer*innen-Teams machen es trainingsmäßig auch gemeinsam: Das Buch der gelungenen Momente wird mittels eines kurzen Brainstormings im Team bei jedem Jour fix befüllt. So hat man nicht nur die „Gehirnmuskeln“ trainiert, sondern auch noch eine Dokumentation der kleinen Erfolgsgeschichten aus dem Schulalltag gefertigt. In dieser Sammlung zu lesen, kann wiederum in schwierigen Zeit-Etappen helfen, zu erinnern, dass auch viel Gutes passiert.
  • Wenn wir täglich mit einer zu großen To-do-Liste arbeiten, können wir abends nicht zufrieden sein, weil es unrealistisch ist, alles zu erreichen. Wenn wir hingegen mit einer realistischeren Tages-Ziel-Planung antreten, die vielleicht auch noch eine Priorisierung mit der Unterscheidung zwischen must-have und nice-to-have beinhaltet, steigt die Wahrscheinlichkeit, abends zufrieden abschalten zu können. Wenn wir auch noch Pufferzeiten einplanen, werden wir den unvorhersehbaren Einschüben des (Arbeits-)Lebens leichter begegnen können. Das bedeutet auch, seine Tages- und Wochen-Ziel-Planungen öfters nach zu justieren und die Priorisierungen anzupassen.
  • Haben wir ein Gefühl dafür entwickelt, was zu schaffen ist und unsere Ansprüche danach ausgerichtet, braucht es oft auch die Akzeptanz für unser geändertes Agieren. Das bedeutet manchmal, dass wir Menschen enttäuschen müssen, wenn wir bereit sind, auf unsere (neuen) Grenzen und Priorisierungen zu achten, weil sie es bislang gewohnt waren, „alles“ von uns zu bekommen. Weiters entstresst es auch, wenn wir mit unseren Kolleg*innen weniger zwischen Tür & Angel besprechen oder auch uns erlauben, diverse Fristen zu verlängern.
Jede Zeit-Epoche und gesellschaftliche Entwicklungsphase hat sein Tabu, das wir mutig hinterfragen sollten. So meint die Philosophin Ursula Baatz, dass wir derzeit Mut brauchen, um zu erkennen und vor allem kund zu tun: Wann es genug ist.
3. Regeneration täglich mehrmals und Atmen, Atmen, Atmen

Gerade weil es im Schulalltag oftmals nicht möglich ist, eine „echte“ Pause zu machen, braucht es eine Routine für Mini-Pausen. Viele Anregungen dazu findet man in den Achtsamkeitspraktiken oder in Entspannungstrainings. Und auch hier braucht es vorher Übung, damit wir es im Alltag und trotz stressiger Umgebung gut anwenden können. Geübte können den Modus der Entspannung schneller abrufen. Zentraler Wirkfaktor bei all den verschiedenen Zugängen ist die Entschleunigung des Atems. Der Atem ist unser einziger Zugang, um bewusst das vegetative Nervensystem zu beeinflussen. Daher ist das bewusste, verlangsamte Atmen der gemeinsame Nenner und die Essenz aller Entspannungstechniken, vom autogenen Training bis zum Yoga.

ALI-Übung: Atmen – Lächeln – Innehalten.

Die einfachste und kürzeste Pause. Mehr dazu finden Sie hier – beim Resilienzfaktor 4: Selbstregulation (inkl. weiteren Anregungen zu: „Das stärkt meinen Ressourcenpool“): https://styriavitalis.at/information-service/a-z/resilienz-2/

5 Impulse für 5-Minuten-Auszeiten

Kleine Auszeiten, große Wirkung

1. Bewusste Atmung
2. Mikro-Dehnung
3. Dankbarkeitsminute
4. Achtsames Schauen
5. Mini-Meditation

Hier finden Sie mehr Infos zu diesen 5 Punkten.

30 Achtsamkeitsübungen

https://anti-stress-team.de/blog/achtsamkeit/die-30-besten-achtsamkeitsuebungen-fuer-den-alltag/

Gerade weil während des Schulbetriebes nur Mini-Pausen möglich sind, braucht es ausreichend regenerativen Ausgleich nach dem Unterrichtsgeschehen, am Nachmittag, am Abend und am Wochenende.

Regeneration kann Vieles bedeuten:

Grafik_regenerativer_Ausgleich

Die zentralen Fragen sind immer wieder die gleichen:

  • Wie komme ich wieder zu Kraft?
  • Wie tanke ich auf?
  • Was kann ich kurzfristig und was mittel- und langfristig machen?

Dem „Abschalten-Können“ müssen wir im Lehrberuf eine besondere Beachtung schenken. Einerseits um uns von möglichen Belastungen zu erholen und andererseits auch, weil wir häufig am Nachmittag oder abends nochmals zu Hause arbeiten. Im Grunde müssen Lehrer*innen „Meister*innen“ des Abschaltens werden! Gerhard Blasche macht folgende Empfehlungen:

Das kann Abschalten unterstützen:

  • Abschließen der Tätigkeit: Erledigung der Aufgabe, wenn nicht möglich: To-do-Liste
  • Abgeben der Verantwortung: vertreten lassen, Erreichbarkeit einschränken oder beenden
  • Ablenkung: Ortswechsel, Medienkonsum (Lesen, Fernsehen, Internet, Kino, usw.), Naturerleben, körperliche Aktivität, Hobbys
  • Achtsamkeit und Entspannung: sich bewusst den Eindrücken des gegenwärtigen Augenblicks zuwenden (spüren, hören, etc.), Entspannungsübung, Achtsamkeitsmeditation

Quelle: Gerhard Blasche (2020): Erholung 4.0. Warum sie wichtiger ist denn je. maudrich Verlag.

Rituale helfen beim Abschalten:

  • Am Arbeitsplatz/in der Schule/am Schreibtisch: Unfertiges aufschreiben, Selbstlob: Was habe ich heute alles geleistet?
  • Beim Auschecken: Entspannungsbild (Urlaub), Schultern loslassen, ausatmen, Musik
  • Auf der Heimfahrt: Entspannungsübung, laute Musik, Bild des Sich-Entfernens, Landschaftswechsel
  • Bewusst wahrnehmen, aufs Zuhause freuen
  • Zuhause: umziehen, Bad, Kaffee, Kinder, Hund, Joggen, sich körperlich abreagieren, Reizarmut für kurze Zeit oder kurzes Schläfchen (10 Minuten)
  • Getrennter Arbeitsraum zu Hause (falls möglich): Tür zu, ansonsten Arbeit wegräumen

Wie schalten Sie ab? Suchen Sie sich ein Abschalt-Ritual und üben Sie es in den nächsten 3 Wochen ein.

4. Bewusst zusammen arbeiten

Die kollegiale Unterstützung ist der wichtigste protektive Faktor!

Die Forschung hat nachgewiesen, dass Bindungen und gute Beziehungen uns einerseits motivieren und andererseits auch helfen, unseren Stress zu senken. Schon die bloße Vorstellung von sozialer Nähe und Unterstützung kann Oxytocin ausschütten und Stressreaktionen im Körper dämpfen. Wir können uns also stärken, wenn wir an jene Menschen denken, die uns gut tun, sie sozusagen als innerliche Ressource erinnern. Noch mehr können wir uns stärken, wenn wir dies real tun, im Kollegium, durch gelebte Unterstützung vor Ort am Standort. Vielerorts herrscht noch die innere unbewusste Überzeugung „ich muss das alleine schaffen, sonst bin ich keine gute Lehrkraft“ vor oder auch Konkurrenz im Kollegium. Es ist jedoch mehrfach bewiesen, dass Erfolge nur im Team schaffbar sind. Eine gute Schulkultur, erfolgreiche Schulentwicklung und ein gutes unterstützendes Betriebsklima kann man nur gemeinsam bewerkstelligen.

Deshalb ist es von immenser Bedeutung für die Gesundheit von einzelnen Lehrer*innen, dass sie sich als Schulteam ausrichten, in dem Vertrauen und Offenheit kultiviert und eine wertschätzende Gesprächskultur aktiv gestaltet wird.

Auch die vielfältigen neuen Herausforderungen lassen sich nur in Kooperation lösen. Und selbst wenn keine Lösung für manche Probleme in Sicht ist, kann man sich darauf verständigen, dass es momentan noch keinen passenden Weg gibt. Das macht einen bedeutenden Unterschied im Erleben von Belastungen. Bernhard Badura besagt in seiner Forschung schon viele Jahre: Je besser der soziale Rückhalt an einer Schule ist, desto gesünder sind auch die Lehrer*innen! Für diesen sozialen Rückhalt sind laut Badura 3 Bereiche entscheidend:

  • Gegenseitige Hilfe und soziale Unterstützung unter Lehrer*innen
  • Gemeinsame Überzeugungen, Werte und Regeln
  • Mitarbeiterorientierte Führung durch die Schulleitung

Sehr hilfreich kann es sein, wenn Lehrer*innen-Teams sich in Kollegialer Intervision üben und einen strukturierten, moderierten Erfahrungs-Austausch pflegen. Und wenn die interne Unterstützung nicht ausreicht, braucht es das interne Verständnis darüber, dass es in Ordnung und hilfreich ist, sich Unterstützung von außen zu holen. Auch zum Erlernen von kollegialem Lernen sind Starthilfen durch externe Berater*innen und Moderator*innen hilfreich. Wollen wir Schulen weiterentwickeln und in ein transformatives wirkmächtiges Handeln kommen, braucht es resiliente Teams, die auf Augenhöhe gute Beziehungen pflegen und jene Handlungsbereiche ausleuchten und mutig beschreiten, die in ihrer Macht stehen. So kann kollektive Selbstwirksamkeit entstehen, wie Margret Rasfeld es in vielen ihrer Vorträge nennt. Und das stärkt und schützt unsere Gesundheit – wie auch unsere Erfolgschancen.

Badura, B. u.a. (2008): Sozialkapital. Grundlagen von Gesundheit und Unternehmenserfolg. Berlin, Springer Verlag.
Margret Rasfeld: https://www.margret-rasfeld.de/

Ella Gabriele Amann & Anna Egger (Micro-Inputs Resilienz, 2021) haben eine wertvolle Checkliste vorgeschlagen, wenn wir unsere Beziehungen und Kooperation reflektieren möchten:

  • Teamgeist & Engagement werden gefördert
  • Teamerfolg wird anerkannt und über Einzelleistungen gestellt
  • Interne & externe Netzwerke sind gebildet
  • Beziehungen werden ausgebaut, gefestigt
  • Gegenseitige Hilfe bei Schwierigkeiten
  • Meinungsunterschiede werden genutzt, um Themen tiefgreifender zu besprechen
  • Konflikten wird nicht ausgewichen
  • Mutig Entscheidungen getroffen, in einer vertrauensvollen Dialogkultur
5. Struktur für Gesundheit schaffen und Gesundes Führen

Studien haben nachgewiesen, dass es bereits gesundheitsförderlich wirkt, wenn die Lehrer*innen-Gesundheit am Schulstandort zum Thema gemacht wird. Daher ist das der erste Schritt: Darüber zu sprechen. Der Gesundheit von Lehrkräften und schulischem Personal einen Wert geben. Das gelingt dadurch am besten, wenn in regelmäßigen Abständen Ressourcen und Belastungen reflektiert und passende Maßnahmen abgeleitet werden, die dann von einem Gesundheits-/Steuerteam koordiniert und im Auge behalten werden. Häufige Themen sind:

  • Rückzugsraum für Lehrkräfte,
  • regelmäßigere und effizientere Besprechungsstrukturen,
  • gesunde Führung, Reflexion der Pausen-Strukturen,
  • wertschätzende Gesprächs- und Teamkultur,
  • Unterstützung und gemeinsames Vorgehen bei herausfordernden Schüler*innen und Eltern-Gesprächen.

Manche Schulteams geben der eigenen Gesundheit einen besonderen Wert, indem sie sie als Entwicklungsthema in den Schulentwicklungsplan innerhalb von QMS aufnehmen. Auch Bärbel Wesselbog & Jürgen Bauknecht (2022) betonen, dass Maßnahmen deutlich über individuelle Ansätze hinausgehen und den „Arbeitsplatz Schule“ miteinbeziehen sollten. Daher geht es eigentlich immer um eine Verbesserung des Schulklimas, einer gelingenden Kommunikation, transparente Abläufe, ausgeprägte Rückmelde- und Streitkultur und soziale Unterstützung. Dazu braucht es ebenso Orte und Gelegenheiten für Kommunikation und Austausch im Kollegium, weiters kollegiale Unterrichtsbesuche unter dem Fokus der Reflexion von Lehr-Lern-Prozessen und Lehrer*innen-Gesundheit. Zu guter Letzt bedeutet dies auch, Lehrer*innen zu unterstützen, die Arbeitssituation im Unterricht selbst gesundheitsförderlich zu gestalten – durch geeignete Klassenführungsstrategien und der Bereitschaft, die methodische Gestaltung der Unterrichtssituation hinsichtlich ihrer Beanspruchung zu reflektieren. Davon profitieren letztendlich auch Schüler*innen und die Gesamtsituation kann förderlich gestaltet werden.

Quelle: Bärbel Wesselborg & Jürgen Bauknecht (2022): Belastungs- und Resilienzfaktoren vor dem Hintergrund von psychischer Erschöpfung und Ansätzen der Gesundheitsförderung im Lehrerberuf. Zeitschrift Prävention und Gesundheitsförderung 2, 2023.

Als Standortbestimmung in Bezug auf Lehrer*innen-Gesundheit kann das IEGL – Inventar zur Erfassung von Gesundheitsressourcen im Lehrerberuf von Schaarschmidt und Fischer herangezogen werden: https://ichundmeineschule.eu/ueberblick. Auch als einzelne Lehrkraft kann ich mir mit einer IEGL-Auswertung eine klare Rückmeldung zu meinem Status quo einholen und Fährten für die Stärkung meiner Gesundheit entdecken: Inwiefern sind meine persönlichen Arbeits- und Erlebensmuster und meine Arbeitsbedingungen gesundheitsfördernd? Was müsste ich ändern?

Gesundes Führen bedeutet u.a. an gelingenden Beziehungen bauen:

Sowohl Schüler*innen als auch Lehrer*innen brauchen Motivation. Wussten Sie, dass wir unser Motivationssystem nicht nur durch Bewegung und Musik stimulieren können, sondern ebenso durch gelingende Beziehungen, durch Wertschätzung, durch Gesehen werden? Welche Anerkennungskultur wird an Ihrer Schule gelebt? In der Klasse? Im Schulhaus? Im Kollegium?

  • Beachtung, Anerkennung, Zuwendung aktivieren Motivationssysteme und beruhigen die Stressachse
  • Ausgrenzung, Demütigung, chronische soziale Konflikte, Isolation deaktivieren Motivationssysteme und aktivieren die Stressbiologie

Als Schulleiter*in hat man dafür eine besondere Verantwortung. Impulse dafür findet man bei der renommierten Gesund Führen Expertin Dr. Anne Katrin Matyssek:

6. Ein kleiner nächster Schritt oder Zauberformel Selbstwirksamkeit

Oftmals sind wir mit komplexen Herausforderungen konfrontiert und fühlen uns wie gelähmt, weil wir eine Situation nicht vollständig lösen können. Die Zauberformel heißt Selbstwirksamkeit. Diese entsteht nicht durch perfekte Pläne oder das Vermögen, alles lösen zu müssen, sondern durch das Erleben, dass das eigene Handeln etwas bewirkt. Der Psychologe Albert Bandura nennt das „Mastery Experiences“: kleine, erlebte Erfolgserfahrungen, die das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit schrittweise stärken.

So geht’s in nur 5 Minuten!

1. Denken Sie an eine Situation, die sich gerade unübersichtlich oder belastend anfühlt.
2. Fragen Sie sich: Was ist der kleinste mögliche Schritt, den ich heute noch tun kann?
3. Machen Sie diesen einen Schritt – bewusst und konkret.

Nicht das große Ziel, sondern die kleine Handlung stärkt das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit. Und dabei geht es nicht um den Wunsch und die Illusion, alles kontrollieren und lösen zu wollen, sondern um die Erfahrung, immer handlungsfähig zu bleiben bzw. immer wieder handlungsfähig zu werden. Das hilft im Alltag und ist gleichzeitig ein wichtiger Resilienzfaktor und eine wichtige Zukunftskompetenz.