Jedes Jahr im Frühling findet ein Netzwerktreffen für PädagogInnen verschiedener Schultypen statt.

Netzwerktreffen Schule 2019

Mehr als 200 steirische PädagogInnen aus verschiedenen Schultypen waren der Einladung von STGKK, BVA, AUVA, SVB, Styria vitalis  und der Bildungsdirektion Steiermark gefolgt und haben sich am 15. Mai 2019 einen Tag Zeit genommen, um den Lebensraum Schule gedanklich weiterzuentwickeln.

„Ein bisschen mehr Tiefe bitte“, so das Plädoyer von Volker Busch, Neurowissenschaftler und Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie beim diesjährigen Netzwerktreffen. Wir alle – SchülerInnen, PädagogInnen, Eltern – können heute die Vorzüge einer digitalisierten Welt genießen, unkompliziert mit Menschen rund um den Globus kommunizieren und jederzeit eine Fülle von Informationen zu jedem Thema abrufen.

Die Schattenseiten der digitalisierten Welt: Die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab und wir gönnen uns weniger kreative Ruhemomente.

Beides ist jedoch unerlässlich, wenn das Gehirn leistungsfähig sein soll. Es ist wissenschaftlich messbar, dass sich Menschen in Industrienationen in den letzten Jahren deutlich schlechter konzentrieren können, d.h. dass sie den Fokus während einer längeren Zeitspanne auf eine bestimmte Aufgabe richten.

Studien belegen: Kinder, die ein digitales Gerät bei sich haben, widmen von insgesamt 15 Minuten ihrer Hausübungszeit 6 Minuten der eigentlichen Aufgabe und 9 Minuten der digitalen Ablenkung. Angestellte können sich durchschnittlich nur 10 Minuten mit einer Aufgabe beschäftigen, bevor sie unterbrochen werden.

Die Empfehlungen des Experten lauten

  • Fokuszeiten trainieren und sich Zeit nehmen für die Dinge, die im Moment gerade wichtig sind:
    z.B. durch Vorlesen, gemeinsame Gesellschaftsspiele, Gedanken ordnen und priorisieren lernen (mittels Stichworten, Listen…), lesen, tiefe Gespräche führen
  • Schweifende Zerstreutheit zulassen, denn diese fördert kreative Leistungen:
    Spaziergänge im Wald ohne digitale Medien, nichts konsumieren, einfach nur dasitzen und beobachten, Auszeiten aus der digitalen Welt schaffen: kein Handy beim Essen, vor dem Schlafengehen etc.

Bei Grundschulkinder sind digitale Medien insgesamt sehr sparsam einzusetzen, ein Smartphone ist in diesem Alter überhaupt nicht empfehlenswert. Die Angst, dadurch weniger digital kompetent zu sein, sei völlig unbegründet, so der Experte.

Digitale Kompetenz hat nichts damit zu tun, Whatsapp bedienen zu können oder digitale Spiele zu spielen.

Außerdem plädierte Busch dafür, auf struktureller Ebene anzusetzen, auch um einzelne Schulen und PädagogInnen dadurch zu entlasten. Ein genereller Erlass der Bildungsdirektion könnte z.B.  dahingehend lauten, die Verwendung von Smartphones an Schulen zu untersagen bzw. diese nur ganz gezielt in bestimmten Unterrichtseinheiten einzusetzen.

Im Anschluss an den Vortrag wurde eifrig diskutiert: Die TeilnehmerInnen konnten ihre Fragen deponieren und sich danach in Workshops inhaltlich vertiefen. Die Angebote reichten von „Digitaler Bildung“ über „Resilienz“, „Mit Klängen entspannen“, „Wege aus dem Ernährungsdschungel“ und „Lärmprävention in Schulen“ bis hin zur Informationen über die Darmgesundheit und den Zusammenhang mit dem Ökosystem im Workshop „Mikrobiota“.

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Wir danken für Ihr Kommen und freuen uns auf ein Wiedersehen 2020!