Neues aus der Forschung …

zu Social Media und Schönheitsideale
Übermäßige Nutzung

Insbesondere in Hinblick auf die jüngere Generation zeigen bisherige Studien einen Zusammenhang zwischen übermäßiger Nutzung von Social Media und Problemen mit dem Selbstwertgefühl, da oftmals Schönheitsideale nicht erfüllt werden können. Ebenso kann (Kvardova et al. 2025) die vermehrte Nutzung mit einerseits Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper andererseits mit einer höheren Prävalenz an Essstörungen und Körperbildstörungen einhergehen. Zudem führt mehr Konsum zu mehr Auseinandersetzung mit dem eigenen Körperbild. (Kvardova et al. 2021)

Inhalte mit Fokus auf Aussehen und Körper

Neue Studien beleuchten den bislang zentralen Forschungsaspekt der „vermehrten Nutzung“ von Social Media kritisch und setzen den Schwerpunkt vermehrt auf die Art der Medien, die konsumiert werden und weniger auf die Dauer der Mediennutzung (Aronia et al. 2024). Somit gilt es, die Qualität, sprich die Art der Social Media Nutzung als entscheidend zu betrachten.

Inhalte, welche stark auf Körperbildideale bzw. Aussehensideale fokussieren, können das Risiko für Essstörungen erhöhen, insbesondere dann, wenn man selbst bereits mit dem eigenen Körper unzufrieden ist. Somit gilt auch die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper als Risikofaktor, welche durch zusätzliche Impulse dementsprechend verstärkt werden kann (Aronia et al. 2024).

Auch höhere Aufmerksamkeit auf das Aussehen in sozialen Medien fördert depressive Symptome unabhängig vom Geschlecht (Maheux et al. 2025). Somit zeigen neueste Studien, dass neben der häufigen Nutzung von Social Media vielmehr die Inhalte mit Fokus auf Aussehen und Körper in Verbindung mit einem negativen Körperbild, depressiven Symptomen und Körperunzufriedenheit, erhöhter Anfälligkeit für Essstörungen und mit dem Streben nach Schlankheit sowie einem niedrigen Selbstwertgefühl einhergehen (Kvardova et al. 2025; Aronia et al. 2024; Maheux et al. 2025). Besonders problematisch sind die hier stattfindenden sozialen Vergleichsprozesse, in welchen Jugendlichen sich mit idealisierten Bildern von Freund*innen, Sportler*innen und Influencer*innen vergleichen.

Was kann zu mehr Körperzufriedenheit führen?

Abhilfe kann hier laut Aronia et al. 2024 und Kvardova et al. 2025 weniger wie bisher angenommen die Reduktion der Social Media Zeit schaffen und vielmehr Interventionen betreffend das Selbstwertgefühl, die Körperakzeptanz und die Förderung eines gesunden Körperbildes. Aufklärungs- und Präventionsprogramme die Jugendliche sensibilisieren und kritisch mit Idealen umgehen lassen, sowie die Medienkompetenz fördern. Auch sogenannte Body-Positivity-Inhalte in sozialen Medien, welche vielfältige Körperbilder zeigen und Selbstakzeptanz betonen, können teils zu mehr Körperzufriedenheit und besserer Stimmung führen (Jiménez-García et al. 2025).

Schönheitsideale im Internet
Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung. (2023). Schönheitsideale im Internet. Studie im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at
Die Studie befasst sich mit dem Einfluss digitaler Medien auf die Wahrnehmung von Schönheitsidealen bei Kindern und Jugendlichen. Die Erhebung wurde im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at durchgeführt und basiert auf einer Befragung von Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren. Ergänzend wurde eine Fokusgruppe mit Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren einbezogen.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, Schönheitsideale im Internet üben einen erheblichen Druck auf Jugendliche aus. Zwar geben rund 70 % der Befragten an, mit ihrem Aussehen „eher zufrieden“ zu sein, dennoch würden 51 % der Gesamtstichprobe sowie 63,7 % der Fokusgruppe gerne etwas an ihrem Aussehen verändern. Dies verdeutlicht eine Diskrepanz zwischen grundsätzlicher Zufriedenheit und gleichzeitigem Anpassungsdruck an bestehende Schönheitsnormen.
Ein Großteil der Jugendlichen (61 %) veröffentlicht Bilder von sich selbst in sozialen Netzwerken. Hierbei legen die Jugendlichen besonderen Wert darauf, attraktiv (68 %), gestylt (64 %), schlank (54 %) und sexy (34 %) zu wirken. Auffällig sind diesbezüglich geschlechtsspezifische Unterschiede: Während für männliche Jugendliche „sexy auszusehen“ zu 17,9 % sehr wichtig und zu 22,4 % eher wichtig ist, bewerten weibliche Jugendliche diesen Aspekt mit lediglich 5,4 % als sehr wichtig und mit 21,4 % als eher wichtig. Darüber hinaus berücksichtigen 54 % der Befragten Faktoren wie Licht, Pose oder Kamerawinkel, und 41 % bearbeiten ihre Fotos oder Videos mithilfe von Filtern.
Auch individuell erstellbare Avatare als digitale Stellvertreter der eigenen Person spielen in sozialen Netzwerken eine bedeutende Rolle. Dabei legen Jugendliche vor allem Wert auf die Ähnlichkeit (50,6 %) zur eigenen Person und gleichzeitig auf die attraktive Gestaltung (29,8 %) des Avatars.
Soziale Netzwerke sowie Influencer*innen haben insgesamt einen starken Einfluss auf Jugendliche. 65,3 % der Befragten geben an, sich des Einflusses sozialer Medien auf ihre Selbstwahrnehmung und ihr Schönheitsideal bewusst zu sein und stimmen dieser Aussage sehr oder eher zu. Gleichzeitig vergleichen viele Jugendliche Fotos und Videos in sozialen Netzwerken: Dieser Aussage stimmen 71,1 % der Gesamtstichprobe sowie 86,7 % der weiblichen Teilnehmenden zu. Auch das Bewusstsein für den Einfluss von Beauty- und Fitness-Influence*innen ist insbesondere bei weiblichen Jugendlichen (87,7 %) sowie in der Fokusgruppe (85,2 %) stark ausgeprägt. Der Einfluss zeigt sich zudem im Konsumverhalten, da 53 % der Befragten bereits Produkte gekauft haben, die von Influencer*innen beworben wurden.
Trotz dieses Bewusstseins berichten viele Jugendliche von negativen emotionalen Auswirkungen. So fühlen sich 27 % der Befragten schlecht, nachdem sie durch soziale Netzwerke gescrollt haben, 28 % haben bereits über eine Schönheitsoperation nachgedacht, und 74 % haben Beleidigungen aufgrund des Aussehens oder Körpers in sozialen Netzwerken beobachtet.
Laut Angaben der Jugendlichen selbst gelten insbesondere jüngere Kinder als gefährdet, da sie zwar Zugang zu digitalen Medien haben, Inszenierungen und idealisierte Darstellungen jedoch noch nicht ausreichend erkennen können. Diese Fähigkeit werde erst mit zunehmendem Alter und Erfahrung erlernt. Dennoch zeigen die Befragten auch Bewusstsein für mögliche Bewältigungsstrategien. Mehr als 50 % geben an, bereits Strategien wie Selbstreflexion, gegenseitige Unterstützung und einen bewussten Umgang mit sozialen Netzwerken anzuwenden. Als konkrete Empfehlung wird von Jugendlichen der sogenannte „Reality-Check“ genannt, etwa durch reale Begegnungen außerhalb digitaler Räume. Ein Jugendlicher beschreibt dies folgendermaßen: „Geh spazieren oder geh hinaus, dann siehst du, dass Menschen nicht so aussehen, wie es online scheint.“
Darüber hinaus sprechen sich Jugendliche für die Thematisierung und Behandlung des Umgangs mit sozialen Medien sowohl im Elternhaus (56,7 %) als auch in der Schule (46,8 %) aus. Die Ergebnisse verdeutliche die Einnahme einer zentralen Rolle von sozialen Medien in der Vermittlung von Körper- und Schönheitsvorstellungen. Jugendliche sind regelmäßig mit idealisierten, häufig digital bearbeiteten und normativ geprägten Körperdarstellungen konfrontiert, welche überwiegend durch Influencer*innen, sowie algorithmisch verstärkte visuelle Inhalte verbreitet werden. Diese Darstellungen tragen zur Konstruktion unrealistischer Vergleichsmaßstäbe bei und können, trotz eines teilweise vorhandenen Bewusstseins für deren Inszenierung, negative Effekte auf Selbstwahrnehmung, Körperzufriedenheit und Selbstwertgefühl haben. Zudem werden geschlechtsspezifische Unterschiede sichtbar: Während Mädchen stärker unter dem Druck stehen, schlanken und ästhetischen Schönheitsnormen zu entsprechen, sind Jungen vermehrt mit leistungs- und muskelbezogenen Körperidealen konfrontiert.
Die Studie hebt zusätzlich die strukturelle Bedeutung digitaler Bildbearbeitungstechnologien, Filtermechanismen und KI-gestützter Optimierungen hervor, die zur Normalisierung verzerrter Körperbilder beitragen. Abschließend wird die Notwendigkeit medienpädagogischer Interventionen betont, insbesondere zur Förderung von Medienkompetenz, kritischer Reflexionsfähigkeit sowie der Entwicklung eines realitätsnahen und gesunden Körperbildes bei Jugendlichen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien sollte dabei aus Sicht der Jugendlichen selbst sowohl von Eltern und Lehrpersonen als auch von Plattformbetreibenden vermittelt werden.
Konkrete Handlungsmöglichkeiten, die sich aus der Studie ableiten lassen, sind unter anderem:
  • Anpassung von Social-Media-Einstellungen, etwa durch Zeitlimits oder das Ausblenden bestimmter Inhalte
  • Durchführung von „Reality-Checks“, z. B. durch reale soziale Kontakte und realistische Zielsetzungen
  • Gegenseitige Unterstützung durch gemeinsames kritisches Hinterfragen, authentische Komplimente und kooperative Problemlösungen
  • Förderung einer kompetenten Mediennutzung, etwa durch gezielte Auswahl positiver Inhalte, Verständnis algorithmischer Prozesse und das Erkennen von Bildbearbeitungen und Filtern
Schutzfaktoren gemäß aktueller Evidenz

Studien betonen folgende zentrale Ressourcen, die belastete Kinder nachhaltig stärken:

  • verlässliche Bezugspersonen und unterstützende Lehr Kind Beziehungen
  • eine emotional sichere, strukturierte Schulumgebung
  • gezielte Förderung sozial emotionaler Kompetenzen
  • professionelle Begleitung durch pädagogisch geschulte Fachkräfte

Programme wie Lions Quest konkretisieren diesen Ansatz durch sozial-emotionales Lernen: Sie fördern Empathie, Konfliktlösung, Selbstregulierung und stärken das Schulklima.
Lions Quest – Sozial-emotionales Lernen im Schulkontext

Gesundheitsbericht Kinder und Jugendliche (Sozialministerium Österreich)

Praxis-Relevanz

Diese Forschungsergebnisse sind nicht abstrakt – wir übernehmen sie …

  • als Leitlinie für Konsequenz und Klarheit im Verhalten,
  • als Grundlage für Beziehungsorientierung im Unterricht,
  • als Argument für stärker vernetzte Zusammenarbeit mit Eltern, Schulpsychologie und anderen Fachstellen.
Ausgewählte wissenschaftliche Studien & Reviews
  • Gutmann et al. (2019): Mental health problems of children and adolescents with and without migration background living in Vienna, Austria – ein Vergleich psychischer Beschwerden (externalisierende / internalisierende Problemfelder) zwischen österreichischen und türkischstämmigen Kindern ResearchGate.
  • Hagenauer et al. (2021): Untersuchung zu unterstützenden Lehrer , Eltern und Peers-Beziehungen und deren Einfluss auf Zugehörigkeit, Wohlbefinden sowie Fehlzeiten österreichischer Schülerinnen und Schüler SpringerLink.
  • Di Vincenzo et al. (2024): Review zu school refusal behaviour bei Kindern mit Angst-/Depressionssymptomatik oder neuro¬entwicklungsbezogenen Störungen – relevant für internalisierende Auffälligkeiten BioMed Central.
  • Movia et al. (2022): Health Impact Assessment (HIA) of a Daily Physical Activity Unit in Schools – österreichweite Studie zu Bewegungseinheiten im Schulalltag und deren Einfluss auf psychosoziale Gesundheit MDPI.
  • Meta-Analyse zu schulbasierten Präventionsprogrammen (2021): 118 RCTs mit über 45 000 Kindern (K–12), geringer aber signifikanter Effekt bei Reduktion von Angst und Depression – zeigt Wirksamkeit schulischer Interventionen ScienceDirect+1SpringerLink+1.
  • Becker et al. – ESCApreschool (2015 Protocol): adaptive Frühintervention bei ADHS-Verdacht im Vorschulalter (Deutschland/Österreich-Region) – Nutzung stufenweiser Therapieansätze zur Symptomminderung PMC.
  • Lin et al. (2025): Nicht-medikamentöse Intervention (intelligentes Monitoring körperlicher Aktivität) zur Verbesserung exekutiver Funktionen bei Kindern mit ADHS – positive Effekte auf Arbeitsgedächtnis und Motorik arXiv
  • Review: Serious Games for ADHD (2021) – Überblick zu digitalen Spielen zur Diagnostik und Behandlung von ADHS bei Kindern – Zukunftsperspektiven für schulische Unterstützung arXiv