Zu Wort
Primarstufenpädagoge und seit 2023 als Schulbegleiter bei Styria vitalis im Einsatz. Nach einem Lehrgang bei Lukas Wagner hat sich Oliver auf medienpädagogische Beratung spezialisiert.

Lieber Oliver, was sind deine Aufgabenbereiche bei Styria vitalis?
Ich mache Schulbegleitung für Gesunde Volksschulen in der ganzen Steiermark, sowie zusätzlich Workshops zu digitalen Medien mit Lehrer*innen, Eltern, aber auch mit Schüler*innen in Mittel- und höheren Schulen. Außerdem begleite ich Gesunde Mittelschulen im Auftrag der ÖGK. Und zu guter Letzt gibt es die feel-ok Workshops, die ich mit viel Begeisterung in den Mittelschulen und Höheren Schulen umsetze. Hier geht es um verschiedene psychosoziale Gesundheitsthemen, die da behandelt werden.
Um welche Themen handelt es sich?
Grundsätzlich hat feel-ok 24 Themen, Workshops gibt es aktuell zu den Themen: mentale Gesundheit, Stress, Sucht, online-Welt, Schönheitsideale.
Wie geht es den Schüler*innen rundum das Thema digitale Medien/Schönheitsideale?
Es ist sehr stark Thema, weil es hochaktuell und ständig im Wandel ist, man kommt fast nie nach, aktuell zu bleiben und es ist ein Thema, das ausnahmslos alle betrifft. Es gibt im Grunde genommen keinen Workshop, egal mit welchen Altersgruppen, egal ob Stadt oder Land, es betrifft 99,9% der Schüler*innen, weil Alle, mit verschiedenen Geräten, Zugang zum Internet haben. Es ist ein extrem präsentes Thema im Alltag.
Welche Herausforderungen schwingen zu diesem Thema mit?
Es ist vor allem der Umgang miteinander, z.B. in Klassenchat-Gruppen oder ein Einhalten der sogenannten „Netiquette“ (Verhaltensregeln im Internet); definitiv die Bildschirmzeiten, die Angst was zu verpassen, auch FOMO genannt, auch Konflikte mit den Eltern und Lehrpersonen, da es nach wie vor Probleme mit den Nutzungszeiten während der Unterrichtszeiten gibt. Nicht nur Smartphones sind Thema, sondern auch die Smartwatches, die oft schon in sehr jungem Alter (Kindergarten, Anfang VS). Es macht durchaus Sinn, das Handy während der Unterrichtszeit nicht zu nutzen, da die Schüler*innen sonst teils auf alle ihre Grundbedürfnisse vergessen. Haben sie nur kurz Zeit in der Pause, aufs Handy zu schauen, bleiben aber auch viele digitale Aktivitäten auf der Strecke und es beschäftigt sie sehr stark. Stichwort ist auch hier das Thema FOMO, da die Schüler*innen auf gewisse Nachrichten, Snaps, etc. nicht reagieren können, was dazu führt, dass sie unkonzentriert sind. Für die Schüler*innen kann ein Nicht-Reagieren auf Nachtrichten in gewissen Momenten sehr viel bedeuten, das unterschätzen wir oft.
Werden diese Themen auch in den feel-ok-Workshops behandelt?
Ja, und zwar im Workshop Onlinewelten. Zuerst erheben wir in Mind-Map-Form, was die Themen in der Klasse sind. Ich versuche dann natürlich, so gut es geht, auf die aktuellen Themen in der Klasse einzugehen. Natürlich gibt es auch übergreifende Themen, die in ziemlich jeder Klasse Relevanz haben.
Wie nehmen die Schüler*innen die Workshops an?
Das Online-Thema ist ein sehr emotionales Thema, weil es alle betrifft. Aber natürlich gibt es auch Gruppen, die nicht so großes Interesse haben, die gar nicht so betroffen sind, ist ganz unterschiedlich. Natürlich ist es auch nicht nur angenehm, wenn man gesagt bekommt, dass das, was man macht, nicht so förderlich sein kann für die mentale Gesundheit.
Inwieweit wird hier das Thema Schönheitsideale aufgegriffen?
Es wurde noch nie von den Schüler*innen selbst aufgegriffen, weil sie es nicht so „am Schirm“ haben. Teilweise sind sie sehr reflektiert mit den Dingen, aber haben nicht den ersten Gedanken daran, wenn man an Social Media denkt. Ich habe es in meinem Workshop auch drinnen, wo man auch sieht, wie schnell man was bearbeiten kann, einen Filter über ein Bild rüber legen, oder was man auch mit Kleidung alles direkt in einem Foto ändern kann. KI spielt hierbei auch eine große Rolle.
Was sollte in der Nutzung von Social Media beachtet werden? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?
Problemstellungen sind bei Buben und Mädchen ähnlich. Oder werden derzeit ähnlicher. „Nicht alles glauben – nicht alles teilen – nicht alles posten“ – das wäre ein ganz allgemeiner Rat, der eine erste Orientierung gibt. Generell kritisch sein, vor allem in Zeiten, wo das Internet mit KI und Falschinformationen vollgepackt ist. Gerade bei KI-generierten Inhalten müssen wir mittlerweile sehr kritisch hinterfragen.
Möchtest Du noch etwas sagen?
Für alle, die mit Jugendlichen zusammenarbeiten, wäre es wichtig, dass nicht nur mit den Jugendlichen zu dem Thema gearbeitet wird, sondern es sollten sich alle Erwachsenen ihrer Vorbildwirkung bewusst sein und mit einem guten Beispiel vorangehen. Zum Beispiel in handyfreien Zonen – dass es nicht nur für Kinder und Jugendliche gilt, sondern auch die Erwachsenen sich daran halten, um zu zeigen, dass man es auch als erwachsene Person kann (auch wenn es manchmal nicht so leicht fällt).