ELLA plus-News, Nr. 5

1. Ergebnisse der Umfrage
Wie immer starten wir den Newsletter mit einer Präsentation der Ergbnisse unserer letzten Umfrage unter den Leser*innen. Die Fragen drehten sich rund um das Thema „Herausforderndes Schüler*innenverhalten“: Wie häufig? Wie störend? Welche Strategien, damit umzugehen?
Wir danken allen Teilnehmer*innen! Die Gewinner wurden bereits verständigt.
Wie häufig sind Sie und Ihre Kolleg*innen mit den folgenden Verhaltensauffälligkeiten in der Grundschule konfrontiert?
Am häufigsten werden sozial unreifes Verhalten und externalisierende Verhaltensstörungen (z.B. Gewalt, Aggressivität, Hyperaktivität, Impulsivität) genannt.

Wie störend/belastend empfinden Sie und Ihre Kolleg*innen die folgenden Verhaltensauffälligkeiten von Kindern?
Unreifes Sozialverhalten sowie externalisierendes Verhalten wird am häufigsten genannt. Aber auch internalisierende Verhaltensauffälligkeiten (wie z.B. Angst, Schlafstörungen, Depressionen, Essstörungen, psychosomatische Symptomatiken) werden als belastend erlebt, aber weniger häufig.

Folgende Maßnahmen wurden von den Pädagog*innen als hilfreich angegeben, um mit einem „auffälligen“ Kind gut in Beziehung zu bleiben:
- Rahmenbedingungen: Zeit geben, Timeout, Druck rausnehmen (2x), zweite Lehrperson
- Eigene Einstellung/Gesundheit: Empathie, Ruhe bewahren, positive Eigenschaften bewusst machen, Verständnis zeigen für Bedürfnisse, Gespräche mit Kolleg*innen, Verhalten nicht persönlich nehmen
- Maßnahmen/Methoden: ELLA Training, Reflexionsgespräche/Vorfälle besprechen, Belohnungssystem/positive Bestätigung/kleine wichtige Aufgaben, Einfordern strenger Regeln, beschäftigen, Timeout
Auch im Kollegium der Befragten wurden Verhaltensweisen genannt, die hilfreich sind:
- Zusammenarbeit/Austausch: Gespräche mit Kolleg*innen mit Eltern, mit dem Kind, alle Kolleg*innen verfolgen die gleichen Ziele, alle ziehen an einem Strang
- Klarheit & Transparenz: Konsequenz, strukturiert, Grenzen setzen, klare Strukturen und Regeln
- Methoden: soziales Lernen, Streit schlichten und vermeiden lernen, Fidget Toys, aktives Sitzen

2. Neues aus der Forschung
Die Auseinandersetzung mit Themen wie Social Media und Schönheitsideale sowie deren Auswirkungen auf unser Leben, insbesondere auf unser Selbstbild und unsere Körperwahrnehmung steht schon länger im Mittelpunkt der Forschung.

3. EinBlick in die Praxis
Instagram, Blogs und Co – Alles Fake
Eine Vielzahl der auf Instagram oder in Blogs geposteten, vermeintlich unbearbeiteten Selfies sind bearbeitet. Trotzdem lösen Sie bei Betrachter*innen Gefühle aus wie: „Ich möchte auch so aussehen, ich werde nie so aussehen“.
Fakt ist: Niemand schaut in Wirklichkeit so aus!
„Wir sind wöchentlich zwischen 2.000 und 5.000 Bildern von idealisierten Körpern ausgesetzt, die digital manipuliert wurden“
(Zitat Susie Orbach, Frauenrechtsaktivistin, Autorin, Psychotherapeutin „Bodies“, 2009, p. 89).
Auch die gezeigte, vermeintlich heile Welt der Poster*innen ist (mehr als) perfekt ausgeleuchtet. Beauty-Produkte oder etwa Küchengadgets werden wirkungsvoll in Szene gesetzt. Was auf den ersten Blick echt wirkt, ist aber schlichtweg Werbung. Konsument*innen stufen nämlich typische Werbung wie Spots im Fernsehen oder Reklamefluten im Briefkasten schnell als unglaubwürdig ein. Deshalb versprechen sich Firmen satte Gewinnzuwächse bei Produkten, die von Blogger*innen genutzt und empfohlen werden. Aber Achtung: Die Blogger*innen werden für diese Produktempfehlungen bezahlt.
Tipp: Ein kritischer Blick auf Product Placement schont auch die Geldbörse 😉
Quelle: www.feel-ok.at >
Schönheitsideal im Internet
Schönheitsideale im Internet können Druck erzeugen, vor allem wenn die Bilder mit KI oder Filtern erstellt/verfremdet worden sind.
Eine Jugendstudie (2024) zum Thema Schönheitsideal im Internet zeigt, wie sehr idealisierte Körperbilder Jugendliche im Internet unter Druck setzen. Hier ein paar Ergebnisse kurz zusammengefasst.
- Fast drei Viertel (71 %) der befragten Jugendlichen bestätigen, dass die in sozialen Netzwerken konsumierten Bilder dazu führen, dass man sich mit anderen Personen vergleicht.
- Über ein Viertel (27 %) betont die negativen Folgen und gibt an, sich nach dem Scrollen durch die diversen Social-Media-Feeds schlecht zu fühlen.
- Vor allem Influencer*innen aus den Bereichen Beauty und Fitness haben einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche, meinen drei Viertel der Befragten (74 %).
- Rund die Hälfte (53 %) gibt an, aufgrund entsprechender Bilder schon einmal etwas am eigenen Aussehen geändert zu haben.
- Ebenso viele Jugendliche haben bereits Produkte gekauft, die von Influencer*innen empfohlen wurden.
- 28 Prozent haben sogar schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht.
Was stärkt dich?
Die befragten Jugendlichen nennen unterschiedliche Strategien, um sich von den Schönheitsidealen nicht negativ beeinflussen zu lassen:
- Sich nicht stressen lassen
- Am Selbstbewusstsein arbeiten
- Inhalte kritisch hinterfragen
- Mehr offline sein
Hier findest du noch mehr Informationen zur Studie: www.feel-ok.at
Stand: Dezember 2024

4. Zu Wort
Zu Wort kommt diesmal Oliver Hueber, Primarstufenpädagoge und seit 2023 bei Styria vitalis als Schulbegleiter im Einsatz. Er hat sich auf das Thema medienpädagogische Beratung spezialisiert und einen Lehrgang bei Lukas Wagner zu diesem Thema absolviert.

5. Kennen Sie schon…

6. Fakten-Check
Social Media & Schönheitsideale im Schulalter
Kinder und Jugendliche begegnen täglich idealisierten Körperbildern in sozialen Medien. Diese Darstellungen beeinflussen Selbstwahrnehmung, Körperbild und psychische Gesundheit. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen deutlich, welche Mechanismen besonders belastend sind – und wo Prävention ansetzen kann.
1. Einfluss sozialer Medien auf das Körperbild
Zahlreiche Studien (u. a. Kvardova et al. 2025) zeigen Zusammenhänge zwischen intensiver Social-Media-Nutzung, Körperunzufriedenheit, vermindertem Selbstwert und erhöhter Prävalenz von Essstörungen.Idealisiert dargestellte Körper und visuelle Optimierung (Filter, Retusche, KI-generierte Bilder) verstärken soziale Vergleichsprozesse – ein zentraler Risikofaktor für Jugendliche.
2. Art der Inhalte wichtiger als Dauer der Nutzung
Aktuelle Forschung (Aronia et al. 2024) belegt, dass nicht die Zeit online entscheidend ist, sondern die Qualität der konsumierten Inhalte. Besonders risikoreich sind Inhalte, die stark auf Aussehen, Körperoptimierung und normierte Schönheitsideale ausgerichtet sind. Jugendliche mit bestehender Körperunzufriedenheit reagieren besonders sensibel – negative Effekte verstärken sich.
3. Psychische Auswirkungen
Studien (Maheux et al. 2025) zeigen: Aussehensfokussierung in sozialen Medien fördert depressive Symptome – unabhängig vom Geschlecht. Bewertungsmechanismen (Likes, Kommentare, Reichweite) können das Selbstwertgefühl schwächen und emotionale Belastungen verstärken.
4. Schutzfaktoren & Prävention
Aktuelle Ergebnisse (Kvardova 2025; Aronia 2024; Jiménez-García 2025) zeigen drei zentrale Schutzfaktoren:
- Selbstwertstärkung: Ein gefestigter Selbstwert reduziert die Anfälligkeit für Vergleichsdruck und idealisierte Inhalte.
- Körperakzeptanz: Programme, die Vielfalt, Authentizität und positive Körperwahrnehmung fördern, wirken präventiv.
- Medienkompetenz: Wissenschaftlich gut belegt ist die Bedeutung von Aufklärung über: Bildbearbeitung & Filter, Algorithmen,
Inszenierung in sozialen Medien, Mechanismen sozialer Vergleiche
Diese Kompetenzen ermöglichen Jugendlichen eine reflektierte, kritische Nutzung.
5. Workshops & Unterstützungsangebote
ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus (Graz)
– Workshops für Schüler*innen aller Altersstufen
– Fortbildungen für Lehr- und Betreuungspersonen
SI Academy
– Medienkompetenz- und Präventionsworkshops
– Angebote für Jugendliche, Pädagog*innen und Betreuungspersonen

7. Entwicklungs-Zone
Handyfreie Zeit? Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrer Klasse Möglichkeiten für Alternativen. Dies kann besonders gut gelingen mit einem „Stattdessen-Fächer“: Jede Farbe steht für eine Aktivität, die Freude bringt.
Plakat mit Familienregeln zum Medienkonsum (von der Servicestelle Gesunde Schule)
Download hier >

8. Save the date
Was heißt denn Psyche? Ein Online-Workshop für Pädagog*innen der Sekundarstufe
26. Februar 2026
Über Medien reden: Minecraft, Tiktok und Co
Ein 2-teiliges Elternwebinar zu Herausforderungen und Chancen im digitalen Familienalltag
3. und 17. März 2026
Was heißt denn Psyche? Ein Online-Workshop für Pädagog*innen der Elementar- und Primarstufe
4. März 2026
Regionale Fortbildung „Alles digital!?“ für Pädagog*innen der Primarstufe
11. März 2026
Online-Info für Eltern „Digitale Kindheit!“
12. März 2026

9. Angebote, Links & Literatur
Hier finden Sie eine Auswahl an bewährten Materialien und Literaturtipps zu digitalen Medien und Medienkompetenz.

10. Ideenwerkstatt
Diesmal dreht sich alles um Schönheitsideale und Social Media. Ihre Antworten werden wir im nächsten Newsletter (anonymisiert) wieder für alle zusammenfassen.
Hier > geht´s zur Befragung.
Einsendeschluss: Fr 13. März 2026
Unter allen Einsendungen verlosen wir drei Mini-Überraschungspakete. Die Gewinner*innen werden per E-Mail informiert.
Hier können Sie sich für die ELLA plus-News anmelden:
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