ELLA plus-News, Nr. 7
Im Zentrum der Ausgabe steht diesmal die Entwicklung von Resilienz bei Kindern. Nicht alle Belastungen lassen sich vermeiden – aber Kinder können oft erstaunlich gut lernen, mit ihnen umzugehen: Was macht Kinder resilient? Was kann ich als Pädagog*in dazu beitragen? Welche Methoden brauche ich dazu?

1. Ergebnisse der Umfrage
Wir danken für die rege Teilnahme. Die Pakete an die drei Gewinner-Schulen werden demnächst ausgesendet.
Im letzten Newsletter ging es um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pädagog*innen. Die Rückmeldungen zeigen insgesamt ein gemischtes, aber überwiegend positives Bild. Nachfolgend im Detail:
- Die persönliche psychische Gesundheit wird im Durchschnitt mit 3,6 von 5 Sternen eingeschätzt.
- Besonders ausgeprägt ist die Fähigkeit, wahrzunehmen, wenn es einem psychisch nicht gut geht.
- Weniger einheitlich ist dagegen das Wissen darüber, warum es einem schlecht geht und wohin man sich bei Bedarf wenden kann.
- Bei der Frage, wie stark die Schule die körperliche und psychische Gesundheit unterstützt, reichen die Einschätzungen von 1 bis 5 Punkten. Das deutet auf deutliche Unterschiede zwischen den wahrgenommenen schulischen Rahmenbedingungen hin.
- Als konkrete Maßnahmen werden unter anderem Fortbildungen, Supervision, Coaching, gewaltfreie Kommunikation, SIAC-Workshops und Projekte zur psychosozialen Gesundheit genannt.
- Gleichzeitig wird mehrfach der Wunsch nach mehr bzw. kontinuierlicher professioneller Unterstützung geäußert – insbesondere durch Schulsozialarbeit oder Schulpsychologie.
Zusammenfassend ist also zu sagen, dass es unter den befragten Pädagog*innen weiterhin Bedarf an Angeboten zu psychischer bzw. psychosozialer Gesundheit gibt, wenn es um die eigene psychische Gesundheit geht.

2. Neues aus der Forschung
Resilienzentwicklung bei Kindern und Jugendlichen: Zentrale Schutzfaktoren
Resilienz beschreibt die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen, trotz belastender Lebensumstände positive Entwicklungs- und Bildungsverläufe zu zeigen. Im schulischen Kontext spricht man häufig von akademischer Resilienz: Schüler*innen erzielen gute schulische Leistungen, obwohl sie mit Risikofaktoren wie Armut, Migrationshintergrund, familiären Belastungen oder anderen Benachteiligungen konfrontiert sind. Ein aktuelles systematisches Review von Ye, Teig und Blömeke (2024) fasst die Ergebnisse von 119 Studien zu Schutzfaktoren der akademischen Resilienz zusammen. Dabei werden fünf zentrale Gruppen von Schutzfaktoren unterschieden: individuelle, familiäre, schulische, peerbezogene und gemeinschaftsbezogene Faktoren.

3. Zu Wort
Zu Wort kommt diesmal Margit Schauer (vormals Lintner) vom Patenfamilienangebot für Kinder psychisch belasteter Eltern. Im Interview erklärt sie, warum die Stärkung der Resilienz gerade bei diesen Kindern besonders wichtig ist und wie Lehrkräfte betroffene Kinder unterstützen können.

4. Praxis-Zone
Resilienz bei Kindern fördern – Anregungen für die Schulpraxis …
- auf individueller Ebene: z.B. Präventionsprogramme, Projektarbeiten, Märchen & Geschichten,
- auf Beziehungsebene: z.B. Ermutigung, bedingungslose Akzeptanz, Aufmerksamkeit schenken, anregungsreiche Umgebung anbieten, Verantwortung übertragen

5. Kennen Sie schon…
Dort findet man nicht nur interessante Anregungen für die Arbeit mit Schüler*innen, sondern auch hilfreiche Impulse für die eigene Gesundheit, z.B. zum Thema Stressmanagement oder Klassenmanagement!
- P – Positive Emotionen: Freude, Zufriedenheit, Erleichterung, Stolz, Dankbarkeit, Hoffnung, Inspiration, Heiterkeit
In der Praxis: Glückstagebuch - E – Engagement: In einer Tätigkeit aufgehen, Flow erleben
In der Praxis: Leicht fordernde Tätigkeit ohne Ablenkung ausführen - R – Relationships (Positive Beziehungen): Enge und unterstützende Beziehungen haben
In der Praxis: Kompliment, Dank aussprechen - M – Meaning (Sinn): Sinn und Zweck im Leben sehen, sich für eine höhere Sache einsetzen
In der Praxis: Welche Werte vertrete ich? Wo war das heute sichtbar? - A – Accomplishment (Zielerreichung): Ziele setzen und erreichen, Erfolg haben, sich wirksam erleben
In der Praxis: Tagesziel setzen und erreichen
Resilienzförderung in der Schule: Die Idee der Handreichung ist es, den Schüler*innen Methoden und Bewältigungsstrategien anzubieten, die sie eigenaktiv und selbstbestimmt in herausfordernden Situationen nutzen können.
Achtsamkeit in der Schule – Übungen und Spielideen: Die Übungen auf der IQES-Plattform fördern Stressminderung und Selbstregulation bei Lehrenden und auch bei den Schüler*innen
TOPSY Toolbox Psychische Gesundheit: Tools und Unterrichtsmaterialien für die Arbeit mit Jugendlichen
TOOL-POOL Selbstentwicklung & mentale Gesundheit: Über 80 Übungen für den Unterricht oder für das Schulfach „Mentale Gesundheit“, kurz & übersichtlich, von GET (Global Educational Transformation: Lebenskompetenzprogramm für die mentale Stärkung von Kindern und Jugendlichen, EU-Projekt, Pilot Schulfach Selbstentwicklung)
Leos Welt: Sozial- und Selbstkompetenz: Trainingsprogramm für die Volksschule auf IQES, mit detaillierten Stundenbildern

6. Tipps
Wie kann ich als Pädadgog*in Resilienz fördern?
(Darstellung von Franziska Matzer)

Kommunikation
Gerade die alltägliche Kommunikation kann in der Schule wesentlich zur Resilienzstärkung beitragen.
1. Kongruentes Gesprächsverhalten
- Übereinstimmung von digitaler und analoger Kommunikation => WAS gesagt wird und WIE es gesagt wird (Stimme, Tonfall, Körpersprache, Mimik,…)
- Nur wenn ich das, was ich sage auch so meine, wird es für mein Gegenüber spürbar und stimmig!
2. Offene und unterstützende Gesprächsbasis: Grundhaltung
- Kongruenz: Echtheit, reales Zugegensein, Aufrichtigkeit
- Akzeptanz: Bedingungsfreies Akzeptieren der Person „so wie sie ist“
- Empathie: Einfühlendes Verstehen, Versuch die Welt durch die Augen eines anderen zu betrachten
Aktives Zuhören nach Carl Rogers:
- Versuchen herauszufinden worum es dem/der Anderen wirklich geht
- Sich einlassen, konzentrieren
- Ausreden lassen
- Bestätigende, kurze Äußerungen
- Wiederholen
- Nachfragen wenn etwas unklar ist
- Blickkontakt, Mimik, Körperhaltung
- Empathie zeigen
- Gefühle erkennen und ansprechen
Quelle: Rogers, C. (1981). Therapeut und Klient: Grundlagen der Gesprächspsychotherapie. 2 Frankfurt: Fischer.
3. Verwendung von ICH-Botschaften
- Beinhalten Informationen darüber, wie sich das Verhalten des Kindes auf MICH auswirkt
- KEIN Angriff auf die Person des Kindes, verletzt Beziehung nicht, erhöht Bereitschaft zur Verhaltensänderung
- Beschreibung von 3 Aspekten:
1. Beschreibung des problematischen Verhaltens.
2. Mitteilen des (negativen) Effekts des Verhaltens auf die eigene Person.
3. Beschreibung der Gefühle die das Verhalten auslöst
Beispiel: Wenn du so herum zappelst (Beschreibung des Verhaltens) muss ich immer zu dir hinschauen und kann mich nicht gut auf den Unterricht konzentrieren (Effekt), das macht mich nervös (Gefühle).
- Verantwortung für Verhaltensänderung bleibt beim Kind
Quelle: Wustmann Seiler & Fthenakis 2020; Hartke & Vrban 2023
4. Konstruktives Loben und Kritisieren
- Konstruktives Loben: Beschreibung des Verhaltens des Kindes und wie sich diese Handlung auf andere auswirkt.
- Konstruktives Kritisieren: Beschreibung des (ungünstigen) Verhaltens des Kindes, welche Auswirkungen das Verhalten auf seine Umwelt hat und wie es sich alternativ verhalten hätte können.
Wichtig! Immer auf ein spezifisches Verhalten beziehen, nie auf die Person!
Beispiel: Ich hatte dich doch gebeten, deine Malsachen vom Tisch wegzuräumen, da wir gleich essen wollen. So kann ich den Tisch nicht decken. Du könntest die Malsachen ja für diese Zeit in dein Zimmer bringen, danach kannst du dein Bild gerne hier am Tisch fertig malen“ statt „Auf dich kann ich mich wirklich nie verlassen!“
Quelle: Wustmann Seiler & Fthenakis 2020

7. Save the date
Abschlussfest zum Projekt ELLA plus
Mi 18. November 2026, 15.00 – 17.30 Uhr, Graz
Zum Abschluss des Projektes laden wir nun alle Projektteilnehmer*innen, Referent*innen, Vernetzungspartner*innen, Studierende und Interessierte ein, gemeinsam zu feiern!
Bitte um Anmeldung bis 9. November 2026!
Online-Vertiefungen für Gesundheitsbeauftragte im Gesunde Schule-Netzwerk von Styria vitalis:
- Bewegung: Mi 4. November 2026, 14.30 – 17.00 Uhr
- Analog statt digital: Mi 2. Dezember 2026, 14.30 – 17.00 Uhr
- Gesund Essen und Trinken im Schulalltag: Mi 13. Jänner 2027, 14.30 – 17.00 Uhr
- Resiliente Schule: Mi 3. Februar 2027, 14.30 – 17.00 Uhr
- Gesunde Räume- drinnen und draußen: Mi 3. März 2027, 14.30 – 17.00 Uhr
- Psychosoziale Gesundheit im Schulalltag: Mi 7. April 2027, 14.30 – 17.00 Uhr
Regionale Fortbildungen in Kooperation mit der PPH Steiermark:
- Recht auf Risiko: Do 5. November 2026, 14.30 – 17.30 Uhr, Gamlitz
- Herausfordernde Gespräche mit Eltern und Kindern führen: Mo 23. November 2026, 14.30 – 17.30 Uhr, Proleb
- GET – Einführung in die Materialien und Methodik: Di 12. Jänner 2027, 14.55 – 18.10 Uhr, online
- Alles digital!? Medienkompetenz und mentale Gesundheit stärken: Mi 10. März 2027, 14.00 -17.00, online
- Herausfordernde Gespräche mit Eltern und Kindern führen: Mo 5. April 2027, 14.30 – 17.30 Uhr, Graz
- Recht auf Risiko: Mi 7. April 2027, 14.30 – 17.30 Uhr, Niederöblarn
Online-Veranstaltungen aus der Schoolbox der ÖGK (in Kooperation mit der PH NÖ)
- Oktober 2026, 14:30 – 17:00: Mentale Tipps für mehr Wohlbefinden im Schulalltag –Entspannungsübungen für zwischendurch (Primarstufe) 341F6WBK71
- Oktober 2026, 14:30 – 17:00: Mentale Tipps für mehr Wohlbefinden im Schulalltag – Entspannungsübungen für zwischendurch (Sekundarstufe) 341F6WBK74
- November 2026, 14:30 – 16:00: Stärken stärken – Kinder kompetent dabei unterstützen ihre Stärken zu erkennen und zu nützen (Primarstufe) 341F6WBK81
Nach dem 5. September ist die Anmeldung noch mittels Nachmeldeformular (ebenfalls in PHOnline) möglich
Starke Schule – Starke Gesellschaft
Buchungsplattform für Workshops für alle Schultypen und Bundesländer, Themen: demokratische Werte, soziale und emotionale Kompetenzen sowie Medienbewusstsein und mentale Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen stärken.
Restplätze für Schule braucht Beziehung – BEKO (BeziehungsKompetenz)-Gruppen (je 4 Termine)

8. Angebote, Links & Literatur
Wir haben für Sie eine Auswahl an bewährten Materialien und Literaturtipps zu Resilienzstärkung bei Kindern zusammengestellt.

9. Ideenwerkstatt
Das Projekt ELLA plus neigt sich langsam dem Ende zu. Wir sagen DANKE an alle teilnehmenden Schulen und für die zahlreichen Rückmeldungen, die wir stets erhalten!
Wir würden nun gerne zum Ende des Projekts erfahren, wie es IHNEN persönlich geht, aber auch welche Maßnahmen IHRE SCHULE in den letzten beiden Jahren (seit September 2025) gesetzt hat, damit es Schüler*innen und Lehrpersonen körperlich und psychisch gut geht.
Die Ergebnisse werden bei der nächsten und gleichzeitig letzten Ausgabe veröffentlicht.
Machen Sie mit und gewinnen Sie tolle Preise! 🙂
Hier geht’s zur Umfrage: ELLAplus: Psychosoziales Wohlbefinden in den letzten beiden Jahren
Einsendeschluss: Mo 9. November 2026
Hier können Sie sich für die ELLA plus-News anmelden:
https://styriavitalis.at/information-service/ellaplus-newsletter-anmeldung/